Kampf der Visconti und della Torre um Mailand

„Die weitere Stabilisierung der Torriani-Signorie hätte die Wahl von Paganos Sohn „Raimondo“ zum Erzbischof von Mailand bedeutet, doch durchkreuzte die gegnerische Adelspartei den Plan mit einer Kandidatur des Ottone Visconti, der vom Papst 1262 den Vorzug erhielt, dem aber die Stadt verschlossen blieb. Raimondo wurde mit dem Bischofstuhl von Como abgefunden. Im Laufe der Streitigkeiten waren Martino und sein Bruder Filippo auf die antipäpstliche Seite übergewechselt und hatten durch ihr Bündnis mit König Manfred von Sizilien, dem exkommunizierten Sohn Kaiser Friedrich II. , sogar den Kirchenbann auf sich gezogen. Des Angriffs ihrer aus Mailand vertriebenen Feinde von der Adelspartei konnten sie sich wiederum mit Hilfe eines Ghibellinen, des mächtigen Condottiere Uberto Pallvicini, erwehren.

In den Jahren der della Torre-Herrschaft um die Mitte des 13.Jh. war Mailand ein Zentrum religiöser Armutsbewegungen, die entweder, wie die Humiliaten, von der Kirche geduldet oder, wie die Katharer und andere radikale Gruppen, als Ketzer verfolgt wurden. …..

Filippo della Torre (gest. 1265), der seinem Bruder für zwei Jahre als Signore von Mailand nachfolgte, leitete die Expansion des Mailänder Staates ein., als er sich, ursprünglich eine Schutzmaßnahme gegen den von ihm entlassenen Condottiere Pallavicini, von den benachbarten Guelfenstädten Como, Novara, Vercelli, Lodi und Bergamo zum Podesta wählen ließ, eine kommunale Schlüsselstellung, die seine Verwandten in weiteren Städten übernahmen. Dem vom Papst als Gegengewicht gegen den Staufer Manfred und Konradin zum König von Sizilien und Führer der Guelfen nach Italien gerufenen Karl von Anjou räumte er 1265 freien Durchzug durch das Mailänder Territorium ein. Paganos Sohn Napo (Napoleone) della Torre (gest. 1278) übernahm führende Ämter in lombardischen Kommunen, andere Städte zwischen Vercelli und Ferrara schlossen sich der Guelfen-Liga unter der Führung Napos und Raimondos an, doch stellte ihre Streitmacht eine ernsthafte Bedrohung Konradins in seiner Residenz in Pavia dar.

Nach dem endgültigen Sieg Karls von Anjou über den Staufer bei Tagliacozzo  (1266) befürchteten manche lombardischen Städte eine übermächtige Torriani-Herrschaft; es kam zu Rebellionen, selbst in Mailand regte sich Opposition wegen der Steuerlasten, obwohl das Geld nicht zuletzt zum öffentlichen Nutzen, für Straßenreinigung und -pflasterung und zur Vollendung des wirtschaftlich wichtigen Naviglio grande, des von Mailand nach Abbiategrasso führenden schiffbaren Kanals, ausgegeben wurde.
Gestärkt andererseits wurde die Position der della Torre, als König Rudolf von Habsburg 1274 mit der Verleihung des Reichsvikariates an Nato dessen Herrschaft über Mailand anerkannte und damit aufwertete. Dass dem rechtmäßigen Erzbischof Ottone Visconti die Residenz in seiner Metropole weiterhin verweigert wurde und die Kirchengüter beschlagnahmt blieben, war, zumal sich an diesen Missständen kirchliche Kritik entzündete, eine ständige Gefahr für die della Torre-Signorie. Um Ottone Visconti scharten sich die Ghibellinen und alle mit den Verhältnissen in Mailand Unzufriedenen. Im Januar 1277 unternahm Ottone mit seiner Streitmacht einen nächtlichen Überfall auf das Quartier seiner  Feinde in Desio, dessen erfolgreicher Ausgang das vorläufige Ende der Torriani-Herrschaft bedeutete. Führende Familienmitglieder gerieten in Gefangenschaft, darunter Napo selbst, der schon ein Jahr später 1278 im Kerker des Kastells Baradello von Como starb; ihre Häuser in Mailand wurden zerstört (via Caserotte), die Viscontis verewigten den Tag ihres Sieges auf Fresken im Kastell Angera (jetzt im Besitz der Borromeo) und begingen ihn noch zwei Jahrhunderte später als Freudenfest.

Napos Buder Raimond della Torre (gest. 1299) anfangs Bischof von Como, seit 1273 Patriarch von Aquileia und an der Leitung der Familienpolitik beteiligt, versuchte zu retten, was zu retten war: Er nahm die zahlreichen vertriebnen Verwandtschaften in seinem Herrschaftsgebiet Friaul auf und ging daran, sie mit Waffengewalt nach Mailand zurückzuführen. Doch ohne Erfolg: bei Vaprio an der Adda wurde 1281 sein Heer von den Mailändern vernichtend geschlagen, sein Kommandant Cassone die Napo della Torre fiel im Kampf. Später gelang Gottofredo della Torre wohl noch die Besetzung von Castelprio, dem alten Visconto-Besitz und in langobardischer Zeit Königsresidenz, doch eroberte Ottone Visconti den zum festen Stützpunkt ausgebauten Platz schon 1287 zurück, um ihn gleich gründlich zerstören zu lassen. Erst neuzeitliche Ausgrabungen haben seine Mauern mit exquisiten Fresken des 7./8. Jh. wieder ans Licht gebracht.

Napos Neffe Guido della Torre (gest. 1312) wurde Nutznießer eines 1302 geschossenen Friedens zwischen den Guelfen und den Viscontis, der freilich nicht lange Bestand haben sollte. Seine Familie konnte nach Mailand zurückkehren, ihre konfiszierten Güter wieder in Besitz nehmen und bald darauf sogar, als Matteo Visconti bei neuerlichen Unruhen von der Gutelfen-Liga aus der Stadt vertrieben wurde, sie Vorherrschaft in Mailand zurückgewinnen. Ihre Signori wurde 1307 mit der Ernennung Guidos zum Volkskapitän und der Wahl Casones della Torre (gest.1318) zum Erzbischof befestigt. Doch obwohl beide Mailänder Spitzenpositionen jetzt in Familienhand waren, blieb ihr Regiment im Inneren und von außen, durch Parteiwechsel ihrer Anhänger, Verschwörungen und Anschläge, gefärdet. Guidos Misstrauen richtete sich sogar gegen den Erzbischof aus der eigenen Familie, den er zeitweise im Kastell Trezzo gefangen hielt.

Die Ankunft des römisch deutschen Königs Heinrich VII. in Italien setzte der Torriani-Signorie ein rasches Ende. Zwar es noch Cassone della Torre, der Heinrich in der Mailänder Kirche S. Ambrogio die eiserne Krone der Lombardei aufs Haupt setzte, jedoch der vom König vorgenommene Interessausgleich die Viscontis. Tumulte richteten sich zuerst gegen die Deutschen im Gefolge des Herrschers, dann auch gegen Guido und die Seinen, die nun ihr Heil in der Flucht suchten. Alle diese Szenen sind in der berühmten Bilderchronik, die den Romzug Heinrichs illustrierte, dargestellt. Auch für Erzbischof Cassone wurde die Situation unhaltbar; er ließ sich auf den Patriarchenstuhl von Aquileia versetzen. Bei einem Reiseaufenthalt in Florenz fand er den Tod, von einem sich aufbäumenden und stürzendem Pferd wurde er erdrückt, im Kreuzgang von S.Caroce ist ein eindrucksvolles Grabmonument erhalten.

Napos Neffe Guido della Torre (gest. 1312) wurde Nutznießer eines 1302 geschossenen Friedens zwischen den Guelfen und den Viscontis, der freilich nicht lange Bestand haben sollte. Seine Familie konnte nach Mailand zurückkehren, ihre konfiszierten Güter wieder in Besitz nehmen und bald darauf sogar, als Matteo Visconti bei neuerlichen Unruhen von der Gutelfen-Liga aus der Stadt vertrieben wurde, sie Vorherrschaft in Mailand zurückgewinnen. Ihre Signori wurde 1307 mit der Ernennung Guidos zum Volkskapitän und der Wahl Casones della Torre (gest.1318) zum Erzbischof befestigt. Doch obwohl beide Mailänder Spitzenpositionen jetzt in Familienhand waren, blieb ihr Regiment im Inneren und von außen, durch Parteiwechsel ihrer Anhänger, Verschwörungen und Anschläge, gefärdet. Guidos Misstrauen richtete sich sogar gegen den Erzbischof aus der eigenen Familie, den er zeitweise im Kastell Trezzo gefangen hielt.

Die Ankunft des römisch deutschen Königs Heinrich VII. in Italien setzte der Torriani-Signorie ein rasches Ende. Zwar es noch Cassone della Torre, der Heinrich in der Mailänder Kirche S. Ambrogio die eiserne Krone der Lombardei aufs Haupt setzte, jedoch der vom König vorgenommene Interessausgleich die Viscontis. Tumulte richteten sich zuerst gegen die Deutschen im Gefolge des Herrschers, dann auch gegen Guido und die Seinen, die nun ihr Heil in der Flucht suchten. Alle diese Szenen sind in der berühmten Bilderchronik, die den Romzug Heinrichs illustrierte, dargestellt. Auch für Erzbischof Cassone wurde die Situation unhaltbar; er ließ sich auf den Patriarchenstuhl von Aquileia versetzen. Bei einem Reiseaufenthalt in Florenz fand er den Tod, von einem sich aufbäumenden und stürzendem Pferd wurde er erdrückt, im Kreuzgang von S.Caroce ist ein eindrucksvolles Grabmonument erhalten. „[Schmidt.T. 1992]

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