Personennamen mit Thurn…


Thurnhofer, Thurnherr, Thurnbauer, Thurnhof, Thurnwalder, Thurnmeier, Thurnbichl, Thurnreiter,Thurner, Thurn-Hofer sind an die Grafen von Thurn angelehnte Namen und eine Berufsbezeichnung.

Hinweise und Hilfsmittel

In der wissenschaftlichen Forschung wird zuerst nach Häufungen eines Namens gesucht. Da ich ein Thurnhofer bin, habe ich nach diesem Namen gesucht und vier große Zentren gefunden:
Linz (Oberöstereich), Neu-Ulm, Schrobenhausen (Bayern) und Trachenberg (Schlesien).
Ich wäre wohl nicht viel weiter gekommen, wenn ich nicht den Stammbaum der della Torre (eingedeutscht Thurn) und durch eine mögliche Erbschaft nicht den Ort Trachenberg (Schlesien, jetzt Polen) gefunden hätte. Ein weiterer Hinweis waren die Überlieferung meines Vaters und auch anderer Thurnhofer, die einerseits Tirol als Herkunft angaben und dass wir frei, also nicht Leibeigene waren. Unter den gegebenen Bedingungen kam damit nur Osttirol und Lienz in Frage.
So lässt sich der Weg der Thurnhofer einigermaßen gut an den Wegen eines Zweigs der Thurns rekonstruieren. Er beginnt in Görz (Italien), geht über Lienz (Österreich), Linz (Österreich), Böhmen (jetzt Tchechoslowakei), Trachenberg (Schlesien, jetzt Polen) und von dort aus z.B. nach Berlin (ich selbst),  in viele andere Richtungen in Deutschland (belegt durch Kontakte) und Schrobenhausen (belegt durch Kontakte). Ausgangspunkt der Namensgebung war Linz, der früheste Herkunftsnachweis Lienz und mit den entstehenden Aufgaben der Thurns eng verbunden. Da diesen Aufgaben mit Vertrauen zu tun hatten,  ist anzunehmen, dass die Personen aus dem schon bekannten Stamm (Langobarden) stammten. Also schon früher im Bereich der Thurns lebten. Ein zweiter Grund ist die geringe Vermischung mit den vorher in Italien lebenden Personen aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte.

Das Aufzeigen der Geschichte dieses Zweiges der Thurn, beginnend in Görz (Italien), ist notwendig, weil daraus deutlich wird, warum diese Wanderung vollzogen wurde und warum es außerordentlich schwer ist, Landzeugnisse, selbst schriftliche Zeugnisse zu finden.

Die Namensgebung des Hochadels 

Bei den einfachen Verhältnissen der frühen Jahrhunderte, solange das Leben auf engere Kreise beschränkt war , hatte ein Name zur Bezeichnung einer Person genügt. Doch mit der Bevölkerungszunahme und dem Handel mit Fremden nahmen auch die gerichtlichen Verträge und Urkunden zu. So wurde zur eindeutigen Identifizierung, eben ein dementsprechender Name benötigt.
Inzwischen war es in den Kreisen des Hochadels Sitte geworden, dem Personennamen den Namen des Erbgutes hinzuzufügen. Doch damit nicht genug, führte deren Grafeneigenschaften doch auch oft zur Übertragung von Aufgaben, die einzelnen Berufen entsprachen. Auch hier wurde der Name dem jeweiligen Beruf vorangestellt. Grafen führten die Rechtssprechung, die militärische Gewalt und Organisation z.B. für christliche Güter aus. Reichsgrafen konnten für ein ganzes Reich verantwortlich sein, stellvertretend für den König oder Kaiser.

Führende Adelsgeschlechter an Etsch, Eisack und Inn

Um die Jahrtausendwende hatte sich die Gliederung der Alpentäler, die später das Land Tirol bilden sollten, in einzelne Grafschaften bereits klar abgezeichnet. An der Spitze dieser regionalen Bezirke standen die Grafen, die damit nach dem König und dem Herzog von Bayern, zu dessen Sprengel um 1000 das alpine Inntal, das Eisack- und das Pustertal sowie das Etschtal bis unter Bozen zweifellos gehörten, die höchste weltliche Instanz darstellten.
Mit der bereits geschilderten Übertragung der Grafschaften an die Oberhirten von Trient, Brixen, Regensburg und Freising im Zuge des ottonisch-salischen Reichskirchensystems zu Beginn des 11. Jahrhunderts ergab sich für die Grafen als Herrschaftsträger eine neue Situation, die jedoch keineswegs das Ende jeglicher Bedeutung des höheren Adels in diesen Gebieten mit sich brachte. Abgesehen davon, daß die privaten Rechte und Besitzungen der weltlichen Großen vom Übergang der Grafschaft in die Hand der Kirche nicht berührt wurden, bedurften die Bischöfe bei der Ausübung der gräflichen Aufgaben weiterhin der Adeligen. Nach den Vorstellungen des hohen Mittelalters, insbesondere der kirchlichen Reformer, konnte ein Geistlicher wesentliche Pflichten eines Grafen nicht persönlich wahrnehmen: So widersprach es kanonischen Vorschriften, wenn ein Kleriker über schwere Verbrechen zu Gericht saß oder an der Spitze eines militärischen Aufgebotes in den Kampf zog – beides gehörte zu den wichtigsten Obliegenheiten eines Grafen.
Als naheliegender Ausweg aus dieser Pflichtenkollision als Bischof und als Graf bot sich auch für die Oberhirten von Trient, Brixen und Regensburg an, die gräflichen Rechte im Sinne des Lehenswesens an weltliche Große weiter zu verleihen. Dem Beliehenen verblieb aus der Wahrnehmung seiner Aufgaben, etwa bei Gericht, die Aussicht auf Einnahmen; die Kirche mochte hoffen, daß ihr Lehensmann, wie es sich für einen solchen geziemte, dem geistlichen Lehensherrn im Falle der Not mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Eben dieser Gesichtspunkt ließ es außerdem angemessen erscheinen, einen mächtigen Adeligen mit dieser Aufgabe zu investieren. Dieser Entschluß mag der hohen Geistlichkeit nicht allzu schwer gefallen sein, da sie selbst zumeist den entsprechenden Familien entstammte.
[Geschichte des Landes Tirol, Band 1]

Die Macht der Görzer Grafen als Basis der Thurn 

Die Machtbasis der Görzer Grafen wurde im 14. Jahrhundert durch Herrschaftsteilungen sehr geschmälert. 1303 bereitete Albert I. († 1304) – er hatte noch 1277 von König Rudolf I. für seine Verdienste im Kampf gegen König Ottokar II. die Herrschaft Meichau (slowenisch Mehovo) und die dazugehörige Weißkrain mit Tschernembl und Möttling erhalten – für seine Söhne Heinrich und Albert eine Gebietsteilung vor, die 1307 realisiert wurde: Albert II. († 1327) bekam die Besitzungen im Pustertal und Kärnten, Heinrich III. alle görzischen Gebiete südlich der Dolomiten und Karawanken. Nach dem Tode Heinrichs III. 1323, der ein Verbündeter Herzog Friedrichs des Schönen im Kampf gegen Ludwig IV. von Bayern war und weiters sogar Treviso und Padua an sich gebracht hatte, gab es vom Pustertal bis Istrien vier verschiedene görzische Grafschaften. Wegen der Bedrohung der inneren Grafschaft Görz durch Venedig verlegten die Grafen ihre Residenz nach Schloss Bruck bei Lienz, den Mittelpunkt der vordern Grafschaft Görz, das bis zum Schluss ihr Hauptwohnsitz und Herrschaftszentrum blieb.
Meinhard VII. erreichte 1365 die Anerkennung als Reichsfürst durch Kaiser Karl IV.; daher rührt die Bezeichnung gefürstete Grafschaft. Sein Bruder Albert III. hatte durch Teilung 1342 die Grafschaft Mitterburg (italienisch Pisino) (kroatisch Pazin) in Istrien und den Besitz in der Windischen Mark und Möttling übernommen, vermachte seine Gebiete 1364 den Habsburgern und starb 1374.
Heinrich VI. († 1454) vereinigte 1430 den Restbesitz der Familie und schloss 1437 einen Erbvertrag mit den Grafen von Cilli (erloschen 1456), der einen älteren Erbvertrag mit den Habsburgern aus dem Jahr 1394 ersetzen sollte. Im Streit um das Erbe der Grafen von Cilli unterlagen die Görzer gegen Kaiser Friedrich III. Sie mussten im Frieden von Pusarnitz 1460 zusätzlich viele Besitzungen am Nordrand ihrer Grafschaft abtreten. Nur Lienz gewannen sie 1462 durch einen Aufstand zurück.
Leonhard, der letzte Graf von Görz, versuchte zeitlebens vergeblich, durch verschiedenste Bündnisse den verlorenen Besitz in Kärnten zurückzugewinnen. Er schloss dann aber 1500 doch einen neuen Erbvertrag mit den Habsburgern und verstarb kurz danach. Vertragsgemäß fielen seine gesamten Besitzungen an Maximilian I. Obwohl dieser die Gebiete um Lienz, die vordere Grafschaft, mit Tirol vereinigte, blieb Görz aber als Land mit eigenem Landtag erhalten. In der Zeit um 1500 wurde Görz durch den Reichsverweser (Kapitän) Virgil von Graben verwaltet. Es wurde zur innerösterreichischen Ländergruppe gerechnet. Die Görzer Stände orientierten sich politisch zumeist an der Steiermark, dem größten Land Innerösterreichs. Allerdings spielte in Görz die Ausbreitung der Reformation im 16. Jahrhundert eine weitaus geringere Rolle. Bei der habsburgischen Länderteilung von 1564 kam Görz unter die Herrschaft Karls von Innerösterreich.
ausführlich:  (wikipedia Grafschaft_Görz )

„Della Torre“ und „von Thurn“, die Grafen der Görzer

Sie waren im 13. Jh in Friaul und Istrien begütert, von 1259 bis bis 1447 Patriarchen von Aquileia. Ebenso wurde die Familie in Görz und Gradiska belehnt.

„Della Torre“ wird zu „von Thurn“ und „von Thurn-Hofer“

Francesco della Torre (1518–1565) aus der Görzer Linie (Nachfahren von Ermanno, dem ältesten Bruder Napoleones) war Rat Kaiser Ferdinands I. und wurde 1558 kaiserlicher Gesandter in Venedig; er wurde zum Reichsfreiherrn von Thurn und Valsassina erhoben. Sein Sohn Raimund heiratete nacheinander zwei Schwestern Hofer von Hohenfels, Erbinnen von Schloss Duino; er wurde 1572 Reichsgraf von Thurn-Hofer und Valsassina.

Dieser Francesco della Torre wurde 1542 einflussreicher und mächtiger Feldherr in Görz. Da Görz in den Bereich der Habsburger überging und er einen italienischen Namen hatte, wurde dieser eingedeutscht. Nun hieß er Franz Thurn (das Wappen war der rote Turm und in italienisch Torre,  in altdeutsch thurn).

Die Entwicklung der abgeleiteten Namen unter verschiedenen Gesichtspunkten

Die Familie Della Torre hatte mehrere hohe staatstragende Aufgaben zu erfüllen. Mit dem Anschluß an das habsburgische Kaiserreich und Übernahme der deutschen Sprache war es für die Familie nicht mehr möglich, als klar erkennbare Ausländer (della Torre, italienisch) Ämter wie Feldherren oder Finanzverwaltungen wahrzunehmen. Deshalb änderten sie ihren Namen von „della Torre“ in „von Thurn“ (altdeutsch vom Turm, den der rote Turm war das Wappen). Die Ausbreitung nach Tirol, Süddeutschland und Böhmen erfolgte auf der Basis von Grafenämtern, die von den Kirchengütern vergeben wurden. Für die Kirchen war es unmöglich in Kämpfe einzugreifen oder Todesurteile zu vollstrecken, daher waren sie auf die Grafen angewiesen. Für ihre Dienste erhielten die Grafen Grund und Boden als Lehen oder häufig in Eigentum. Noch größere Befugnisse waren mit dem Reichsgrafenamt verbunden. Sie waren damit unmittelbar Stellvertreter des Königs oder Kaisers.  Für die Ausübung ihrer Dienste benötigten die Grafen eine gut funktionierende noch zu erstellende Verwaltung (Gerichtsbarkeit, Finanzverwaltung, Versorgung, Streitkräfte), die wiederum mit untergeordneten Eigentumsverhältnissen verbunden waren. Diese Eigentumsverhältnisse förderten wiederum die Namensbildung. Hier gab es besonders von Italien bis in den süddeutschen Raum ausgehende ausgehende sehr frühe Namensbildung. Neben eindeutig aus den Eigentumsverhältnissen juristisch zu vergebenden Namen hatten die Thurn’s jedoch auch eine Vorliebe für die Verbindung von Funktionen mit ihrem Namen. Sie stellten ihren Namen den einzelnen Funktionen voran. So war z.B. ein Thurnbauer jemand, der die Funktion der bäuerlichen Versorgung in diesem Gebilde übernahm, ein Thurnherr war jemand, der als Ratsherr die Mauern und Türme der Stadt (des Ortes, der Burg) beaufsichtigte.

So ergibt sich aus den oben genannten Namen folgendes Bild:

In den westtirolerischen Gebieten (Dorf Tirol bei Meran) und der Steiermark war die Spezialisierung nicht so umfangreich. Dort wurden alle die für die Thurn’s beschäftigt waren Thurner genannt. Ein Thurner war praktisch jemand der zu den Thurn’s als Gruppe zugehörig betrachtet wurde. Dies war auch nicht ungewöhnlich, weil es sich um Stammesgesellschaften handelte.

Ein Herr ist der Aufseher eines Gefängnisses oder einer Burg. Ein Thurnherr verwaltet somit die Burg oder das Gefängnis eines Grafen Thurn.

Ein Thurnbauer ist jemand, der für einen Grafen Thurn Lebensmittel anbaut. Sieht man sich die Thurnhöfe an, dann gibt es auf jedem Thurnhof einen Thurnbauern. Doch damit nicht genug. Es ist ersichtlich, dass Thurnhöfe unter den Herrschaftsmöglichkeiten eine weitere besondere Rolle spielten. Sie waren gleichsam Posthöfe. Wie sich aus dem Stammbaum der Delle Torre ergibt, waren dieser Stamm weit über Europa verzweigt und benötigte zur Kommunikation eine Post. Thurnhöfe waren somit nicht nur eine Quelle der Lebensmittelversorgung, sondern Stelle der Unterkunft(Reisen) und des Pferdewechsels. Die strategische Bedeutung der Thurnhöfe für die Thurns war so groß, dass sie teilweise als Burgen und teilweise unterirdisch angelegt wurden.
Es handelte sich also um das erste große Postnetz in Europa.
Eine Ausnahmesituation ist der Thurnhof bei Insbruck, auf dem die Besitzer bzw. Verwalter Thurnhof heißen und nicht wie üblich Thurnbauer.

Ein Thurnreiter war also jemand, der zwischen den Poststellen pendelte und für einen Grafen Thurn tätig war.

Ein Thurnmeier hat die Aufgabe, Milch und Milchprodukte für einen Grafen Thurn zu erstellen.

Ein Thurnbichl  hatte für einen Grafen Thurn Fässer zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten zu erstellen.

Ein Hofer ist eine Person, die einen Hof verwaltet, der ihm nicht gehört. Ein Thurnhofer ist daher eine Person, die einen Hof für einen Grafen Thurn verwaltet. Doch ein Thurnhof wurde von einem Thurnbauer verwaltet und somit kommt für die Tätigkeit der Thurnhofer nur die Verwaltung der Sitze der Grafen in Betracht. Eine weitere Betrachtung für einen Hofer ergibt sich aus folgender Heirat:

Francesco della Torre (1518–1565) aus der Görzer Linie (Nachfahren von Ermanno, dem ältesten Bruder Napoleones) war Rat Kaiser Ferdinands I. und wurde 1558 kaiserlicher Gesandter in Venedig; er wurde zum Reichsfreiherrn von Thurn und Valsassina erhoben. Sein Sohn Raimund heiratete nacheinander zwei Schwestern Hofer von Hohenfels, Erbinnen von Schloss Duino; er wurde 1572 Reichsgraf von Thurn-Hofer und Valsassina. (Thurn_und_Valsassina)

Dieser Francesco della Torre wurde 1542 einflussreicher und mächtiger Feldherr in Görz. Da Görz in den Bereich der Habsburger überging, und er einen italienischen Namen hatte, wurde dieser eingedeutscht. Nun hieß er Franz Thurn (das Wappen war der rote Turm und in italienisch Torre, in altdeutsch thurn).

Die Hofer waren Kämmerer in Görtz, was heute einem Finanzministerium entspricht. Ein Hofer (Thurn-Hofer) war also in diesem Sinne eine Verwaltungsfunktion in Finanzwirtschaft für eine Grafschaft.

Damit ergibt sich, dass die vorgenannten an Thurn angelehnten Namen Berufsbezeichnungen sind, doch darüber hinaus begründet der vorangestellte Namen des Grafen auch einen besonderen Schutz. Für jeden Fremden war sofort ersichtlich, in welchem Namen hier gehandelt wurde. Die besondere Bedeutung der angelehnten Namen wird außerdem deutlich in der Chronik von Perg, wo es heißt:
“ Die urkundlichen Nachrichten über den Thurnhof sind spärlich; so ist es ungewiß, seit wann die Thurner drauf ansässig waren. 1454 erfolgte die erste Nennung und 1538 erhielt Lasla Thurner für den Thurnhof die Freiheiten eines Edelmannsitzes. “

Eine weitere Sicht auf die Beziehung der Herrschaft zu dem angelehnten Namen Thurnhofer zeigt nach Ende des 30-jährigen Krieges die Behandlung in Trachenburg.
Siehe „Die Thurnhofer in Trachenburg Schlesien“

Der für diese Abschnitte relevante Auszug aus dem Stammbaum der von Thurn

Stammbaum