Thurnhof bei Parkstetten

Der Thurnhof im Wandel der Zeit (Thurnhof bei Parkstetten)

Albersdorf war der Zwillingsbruder

Das südliche Gehöft auf dem Territorium der Gemeinde Parkstetten is das Klostergut Thurnhof. Der große und gepflegte landwirtschaftliche Betrieb war mit der Geschichte des Dorfes nie so eng verbunden wie die der anderen Weiler und Einöden in seinem Bereich. Auch heute kann der Thurnhof als separates Gemeinwesen in der Gemeinde angesehen werden, wenngleich er seelsorgerisch von der Pfarrei Parkstetten aus betreut wird. Er hat jedoch eine eigene Kapelle, in der regelmäßig die Messe gelesen wird.

Die Eigenheit des Thurnhofes wurde von seinen Bewohnern sicher nie gesucht und nicht gefördert. Sein Status ist geschichtsbedingt. Zwar fehlen früheste Angaben über diese Ansiedlung unmittelbar an der Donau. Der Thurnhof war zur Zeit seiner Gründung nicht als Bauerngut gedacht. Es handelte sich vielmehr um eine kleine Burganlage am äußeren Donauübergang der Straße von und nach Böhmen. Bei Hochwasser ist heute noch der ehemalige Charakter als Wasserburg erkennbar. Der Name Thurnhof ist auf diese Anlage zurückzuführen. Er ist in Zusammenhang mit einem Wartturm zu sehen, der der gesamten Anlage das Gepräge gab.

Im 14. Jahrhundert – mit hoher Wahrscheinlichkeit aber auch schon viel früher – hatte der Thurnhof in seiner unmittelbaren Nähe einen Zwillingsbruder: den Schwaigerhof Albersdorf. Dieser Name verschwand jedoch im 18. Jahrhundert aus den Urkunden. Der Ort Albersdorf ist nicht, wie mitunter irrtümlich angenommen, bei Ittling, sondern bei Oberparkstetten zu lokalisieren. Er ist identisch mit der im herzoglichen Urbarsbesitz genannten „curia Albrechtstorf „. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts waren Albersdorf und fünf Lehen aus dem Dorf Bestandteil des Pfandbesitzes des Straubinger Vitztums Albrecht. Im 15. Jahrhundert waren die Nothaft hier begütert; 1440 gaben sie anläßlich ihrer Altarstiftung in der Straubinger Karmelitenkirche dem Kloster ihre „Swaig zu Albersdorff“. Daraus sollte den Karamelitern ein jährlicher Zins von neun Pfd. Reg. Pfg. zufließen. Aus dem Jahre 1475 ist überliefert, daß Hans Reuter, Kastner des Domkapitels zu Augsburg, von Heinrich Nothaft von Wernberg dem Älteren auf Lebenzeit den „Turnhof zu Albersdorff“ erhielt. 1490 verkaufte Nothaft den Thurnhof „eenhalb der Tunaw“ an die Karameliter. Das Hochstift scheint auf den Gütern Albersdorf-Thurnhof ältere Rechte gehabt zu haben als die Nothaft. Es beanspruchte neben Gerichsrechten auch Eigentumsrechte. 1538 kam es zwischen dem Domkapitel Regensburg und den Karamelitern wegen der Übergabe der Schwaige zu Albersdorf durch das Kloster an einen Bauern Streit. 1644 „rührt“ das Erbrecht auf der Schwaigsölde zu Albersdorf vom Domkapitel Regensburg. In der Hofmarksbeschreibung von 1597 erscheint „In der Schwaig“ als einschichtiges Gut der Hochstiftshofmark Oberharthausen. Die gleiche Bezeichnung wird auch 1599 verwendet. Die Hofmarksrechte bezogen sich allerdings nur auf die Schwaig. Der Thurnhof war landgerichtisch und wurde zur Hauptmannschaft Alburg gezählt. Thurnhof steht – ohne Hoffußangabe – auch in der Konscription der landgerichtsunmittelbaren Güter. Es kann natürlich Zufall sein, wenn in der Hauptmannschaftengliederung vom Ende des 16. Jahrhunderts zu dem Burg-Ort Alburg zwei Orte zählten, welche in der Nähe von alten Donauübergängen lagen: Breitenfeld und Thurnhof Es könnte aber auch sein, daß die „kleine Burganlage am äußeren Donauübergang von und nach Böhmen“ (so Willibald Schmidt zum Thurnhof), welche früher vielleicht am südlichen Donauufer gestanden hatte, vormals einen Vorposten des Herzogs- und Könighofes Alburg darstellte und Sicherungsaufgaben für die Land- und Wasserstraße zu erfüllen hatte. Dazu muß bemerkt werden, daß nicht etwa die Wartturmanlage früher auf dem südlichen Donauufer stand und später auf dem Nordufer neu gebaut wurde. Vielmehr veränderte der Strom seinen Lauf in früheren Jahrhunderten immer wieder. Die Donau suchte sich ihren Weg sogar einmal direkt an Parkstetten vorbei nach Osten. Damit wäre die Erklärung gegeben, warum die Sicherungsanlage im 16. Jahrhundert am Südufer der Donau gestanden hat.

 In der Beschreibung des „Gezirkh“ des Landgerichtes Straubing von 1618 ist im Oberamt Alburg weder Thurnhof noch Albersdorf zu finden; die Grenzen des Unteramtes liefen von der,;alt Vorstadt Straubing lestlich yber die Thonau hinaus auf den Schwaig- und Thurnhof, von Thurnhof bis an die Parkstetterischen gründten“. 1606 hat das einschichtige Gut „In der Schwaige“ aus einem Bauernhof und einem Sölden bestanden. Im Hofmarkverzeichnis von 1694 ist die „Schwaig zu Albersdorf“ genannt,“welche die hl. P.P. Carmeliter zu Straubing inhaben, gehört auch zu dieser Hofmark“ (gemeint Oberharthausen). Die zwei Jahre später verfaßte Hofmarksbeschreibung verwendet für das gleiche einschichtige Gut der Hofmark Oberharthausen die Bezeichnung Thurnhof und nennt auch den Eigentümer, das Karmeliten-Kloster in Straubing.

 Einem Kaufbrief vom Anfang des 19. Jahrhunderts ist zu entnehmen, daß der Karmelitenkonvent den Grundbesitz des Thurnhofes an Einzelkäufer veräußert hatte. Das Kernanwesen war ein Sölnerbesitz mit 20 bis 30 Tagwerk landwirtschaftlicher Nutzfläche und einem Paar Zugochsen. In die übrigen Gründe teilten sich Gütler und Häusler. Der Thurnhof war also zumindest zeitweise kein Einzelgehöft wie heute, sondern eine kleine Ortschaft…… (Ortsbeschreibung)

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