Thurnhof bei Perg (Niederösterreich)

Abgekommene Wasserburg in der Marktgemeinde Perg, Bezirkshauptstadt Perg
Lage in Goggle Maps

Links der Straße Perg-Aibing, 1,6 km außerhalb der Ortstafel von Perg steht ein Bauernhof, der in seinem Äußeren von jenen der im Mühlviertel , gebräuchlichen Formen gänzlich abweicht. Übersteigt die umbaute Fläche schon ein beachtliches die herkömmlichen Ausmaße, so ist die Gruppierung der Gebäude zueinander mehr als eigenartig und kann nur aus der Kenntnis der ursprünglichen Anlage verstanden werden. Der Thurnhof ist eine Wasserburg gewesen. Die wasserführenden, die Anlage umschließenden Außengräben wurden seinerszeit bei der Neutrassierung der Bundesstraße zugeschüttet und eingeebnet. Als Füllmaterial wurde die Umfassungsmauer, die zwischen Außengraben und Innenteich gestanden hatte, verwendet. Das Hauptgebäude ein zweigeschossiger gedrungener Langbau – besteht aus Bruchsteinen in Lehmpack ohne Verwendung von Mörtel, die Ecken sind mit geglätteten Quadern armiert. Der über drei Stufen zu erreichende Eingang besitzt einen spätgotischen Spitzbogen, in der Außenmauer sind Schlüsselscharten eingelassen. Im ersten Stock befindet sich ein Saal mit einer schönen Balkendecke (er wird jetzt als Schüttboden verwendet), der vom Flur aus durch eine durch eine Türe mit gotischen Sturz zugänglich ist. Die Räume des Erdgeschosses liegen rückwärts – gegen den Hang zu – wesentlich tiefer im Niveau als hofseitig. Dies rührt daher, daß der Graben, der sich hinter dem Länkstrakt befunden hatte aufgefüllt worden ist. Sie Stallungen die, ebenerdig, aus Stein bestehen und einen Holzaufbau haben, stehen im rechten Winkel zum Wohnbau, während die Scheune in einem Winkel von 130 Grad schräg in Richtung zur jetzigen Abfahrt gebaut ist. Die Anbauten links an das Hauptgebäude sind ebenso wie der links hinter der Zufahrt stehende Schuppen spätere bauliche Ergänzungen. Eine Unterkellerung war ursprünglich nicht vorhanden gewesen, dort ist man beim Aushub des Mostkellers auf einen Erdstall gestoßen, der nun den Mittelteil des Kellers bildet.

Die urkundlichen Nachrichten über den Thurnhof sind spärlich; so ist es ungewiß, seit wann die Thurner drauf ansässig waren. 1454 erfolgte die erste Nennung und 1538 erhielt Lasla Thurner für den Thurnhof die Freiheiten eines Edelmannsitzes. 1538 erwarben die Freiherren zu Prag den Thurnhof, den sie zu ihrer Herrschaft Windhag schlugen. Georg Schütter von Windhag verkaufte 1626 den Thurnhof an einen Bauern. Darauhin wurde die Einlage in der Landtafel gelöscht und der adelige Thurnhof sank zu einem Bauerhof herab, der er bis heute geblieben ist.

Der usprüngliche von einem Teich umgebene Wohnturm mit einem Bauerhof ist heute das landwirtschaftliche Anwesen der Familie Maximilian und Maria Strasser integriert.

Nach einer Urkunde vom 8.III.1454 besaß damals Georg Prammer daß dem Tuern in Pergkircher pharr freys aigen. 1525 wurde die Liegenschaft von Lasla Thurner als freier Edelmannssitz umgebaut. 1538 tauschten die Brüder Hans, Lasla und Andre v. Prag ihren Tannböckhof zu Zell gegen den Edelmanns Sitz Thurnhoff, der damit zur Hft Windhaag kam. – Nach 1625 von den lezten protestantischen Besitzern als Bauernhof verkauft. [Windhag]

Die jetzigen Besitzer haben noch heute den Neben-Namen „Thurnbauer“. Das Gebäude besitzt einen unterirdischen Pferdestall mit einem Fluchtunnel in nördlicher Richtung (Anmerkung P.Thurnhofer nach Besichtigung).