Thurnhofer in Trachenberg (Schlesien)

1633 gab das schwedische Heer mit Heeresführer Thurn gegen die kaiserlichen mit Wallenstein in Steinau auf, und die Thurnhofer wurden in Trachenberg von Schaffgotsch aufgenommen.  

Aufmerksam auf Trachenberg wurde ich durch eine mögliche Erbschaft. Dabei ergab es sich, dass mein Großvater mit seinem Cousin in den Jahren um 1871 von Trachenberg nach Berlin gekommen waren.

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern,Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.
Außerdem musste Frankreich Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Francs leisten.
Die Reparationen trugen zu einem wirtschaftlichen Boom in Berlin bei, der sich auch nach Schlesien herum gesprochen hatte.

Ich hatte nur wenige Stunden Zeit, die kirchlichen Unterlagen zu studieren, die belegten, dass die Thurnhofer ca. 250 Jahre in Trachenberg verbracht hatten.

Wie Frage war, wie waren sie von Linz nach Trachenberg gekommen?

Mit der Entwicklung der Thurn in Böhmen und der Flucht von Heinrich Matthias von Thurn aus Böhmen 1620 und seiner Verbündung mit den Schweden gegen die Habsburger, war das Kapitel des 30 jährigen Krieges in eine neue Phase getreten.

13 Jahre kämpften die Schweden mit Heinrich Matthias von Thurn gegen die Kaiserlichen unter Führung von Wallenstein.

Am 11. Oktober 1633 kämpfte Wallenstein letztmalig erfolgreich für den Kaiser. Bei Steinau an der Oder traf er mit seinen Soldaten auf ein 8000 Mann starkes schwedisches Heer unter dem Befehl von Heinrich Matthias von Thurn und konnte dieses einschließen. Ohne Chance auf einen Sieg steckte von Thurn schließlich die Waffen und wurde von Wallenstein gefangen genommen.
Nur kurze Zeit später ließ er ihn jedoch wieder frei, da von Thurn die von böhmischen Vertriebenen gehaltenen Städte in Schlesien freigab. Am kaiserlichen Hof wurde dies mit großem Unverständnis zur Kenntnis genommen, da Heinrich Matthias von Thurn bereits beim böhmischen Aufstand von 1618 eine entscheidende Rolle spielte und als Erzfeind der Habsburger galt. Wallenstein hatte seinen Kredit beim Kaiser verspielt, und das, obwohl er militärisch von enormer Wichtigkeit war.

Anfang 1634 erfuhr man in Wien, durch den unter Wallenstein dienenden General Octavio Piccolomini, von den Geheimverhandlungen mit dem Feinde. Piccolomini berichtete außerdem, dass sich Wallenstein in Pilsen (Pilsener Revers) bereits der Treue seiner Obristen versichert hatte. All dies wurde vom kaiserlichen Hof als Verrat gedeutet und man gelang schnell zu der Überzeugung, dass Wallenstein einen Putsch plante.

Nun ging alles Schlag auf Schlag – Wallenstein wurde am 24. Januar entlassen und erfuhr kurz danach in seinem Pilsener Quartier davon. Unter der Hand ließ der Kaiser verlauten, dass Wallenstein auszuliefern sei – tot oder lebendig. Am 18. Februar wurde die Hochverratsanklage öffentlich gemacht, was Wallenstein schließlich dazu bewog nach Eger aufzubrechen und auf das Eintreffen der Schweden zu hoffen.
Am Abend des 25. Februar wurden seine engsten Vertrauten auf ein Festbankett in die Burg eingeladen, wo sie nichtsahnend den Tod fanden. Wallenstein selbst hielt sich zu dieser Zeit im Haus des Stadtkommandanten (Pachelbel-Haus in Eger) auf und bekam am späten Abend Besuch von Offizieren des Regiments Walter Butler (ehemaliger Oberst in Wallensteins Heer). Diese verschafften sich Zutritt zu Wallenstein Gemach und durchbohrten ihn mit einer Lanze – Die Mordnacht von Eger war vollendet und der Dreißigjährige Krieg hatte eine weitere schillernde Figur verloren.
(ausführlicher: Wallenstein Biographie , Hellmut Diwald ISBN N 3-548-27550-8)

Hans Ulrich Schaffgotsch: geboren am 28. August 1595 auf dem Schlosse Greiffenstein in Schlesien, erbte nach dem 1601 erfolgten Tode seines Vaters Christoph und eines Verwandten Adam von Schaffgotsch die großen Güter Greiffenberg, Greiffenstein, Kynast. Giersdorf, Schmiedeberg u. a. am Iser- und Riesengebirge, sowie die freie Standesherrschaft Trachenberg-Prausnitz in Niederschlesien.
Am Anfange des 30jährigen Krieges wurde er seitens der schlesischen Stände mehrfach zu Gesandtschaften nach Prag verwandt, gehörte 1619 zu der Zahl der schlesischen Defensoren und war bei der Krönung des Winterkönigs zugegen.
Trotz seiner evangelischen Konfession wechselte er nach der Schlacht am weißen Berg in das kaiserliche Lager.
Im Verlaufe des während der Jahre 1632 und 1633 in Schlesien geführten Krieges zeichnete er sich besonders in Steinau aus; an der am 11. October 1633 erfolgten Einschließung und Gefangennahme des Grafen Heinrich Matthias v. Thurn in den Steinauer Schanzen hatte er den Hauptanteil. Nach Waldstein’s Abzuge aus Schlesien erhielt er den Oberbefehl über die in der Provinz zurückgebliebenen kaiserlichen Truppen und versuchte nun die noch von den Schweden und Sachsen besetzt gehaltenen fünf schlesischen Städte in seine Gewalt zu bringen.
Nachdem Wallenstein in Ungnade gefallen war, wurde auch Schaffgotsch verhaftet und hingerichtet.
Seine Besitzungen am Gebirge und die Standesherrschaft Trachenberg wurden schon im April 1634 vom Kaiser eingezogen; die letztere verlieh Ferdinand II. am 10. August 1641 an den Grafen Melchior v. Hatzfeldt.
(Ausführlicher Biographie Schaffgotsch)

Da das Heer ausschließlich aus schwedischen Soldaten bestand, gab es um Heinrich Matthias nur seinen persönlichen Stab und die Begleiter, unter denen sich auch die Thurnhofer befanden. Diese wurden von Schaffgotsch in Trachenberg aufgenommen.
Dabei spielte es sicher eine Rolle, dass Schaffgotsch auch aus Tirol kam, bis zur Schlacht am weißen Berg auf der Seite der Thurn stand, evangelisch war und Thurn samt Anhang gut kannte. Die Entfernung von Steinau bis Trachenberg per Luftlinie beträgt 33 km. Es war also das nächste Gut unter der Herrschaft der Schaffgotsch.
Die Nähe der Schaffgotsch und deren Nachfolger Hatzfeldt zu den Thurnhofer belegen auch die Taufscheine, in denen sie als Taufzeugen genannt wurden.

Daraus ergibt sich auch, dass die Thurnhofer, in der Zeit zwischen der Flucht von Heinrich Matthias von Thurn 1820 und seiner Gefangennahme 1833 alle Wege im Kriege in Schlesien mitgegangen sind.

Tracheng SteinauSteinau an der Oder (polnisch Scinawa), Trachenberg (polnisch Zmigród)

Trachenberg seit dem 30 jährigen Krieg

Durch die Herrschaft wurde 1555 in Trachenberg die Reformation eingeführt.
Im 30 jährigen Krieg mussten auch Burg und Stadt Trachenberg die Kriegsfurie über sich ergehen lassen, Besonders die Jahre 1632, 1635, 1640, 1642 und 1644 waren schlimme Zeiten der Besatzung, Belagerung und Requirierung.

1654: Waren die Trachenberger bisher evangelisch, so mussten sie aufgrund der Beschlüsse des Westfälischen Friedens als Gesamtheit wieder katholisch werden.

1656/57 trat die Pest auf und forderte in kurzer Zeit 371 Todesopfer, das waren etwa 25% der Bevölkerung.

1702 legte ein großer Brand die halbe Stadt in Asche

1736 brachte sowohl eine riesige Überschwemmung als auch eine riesengroße Hungersnot. Alle Felder waren überschwemmt, alle Straßen waren überflutet. Das Korn kostete das 20 fache des Normalpreises.

1740-1763: In den drei Schlesischen Kriegen gelang es, die neu gewonnene Provinz für Preußen zu sichern. Im dritten, dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763), stand das mit Großbritannien verbündete Preußen einer Koalition aus Österreich, Frankreich, Russland und Sachsen gegenüber und geriet trotz großer militärischer Erfolge an den Rand des Zusammenbruchs.
1740/42 wurde der Ort preußisch und die Hälfte wurde wieder evangelisch.
1759/60 im siebenjährigen Krieg gab es für kurze Zeit auch eine russische Besatzung.

1783 vernichtete erneut ein Stadtbrand 69 Häuser. Im gleichen Jahr gab es auch eine besonders große Überschwemmung

1793 vernichte die Rinderpest 2/3 des gesamten Viehbestandes von 734 Stück.

Die nachfolgenden Jahre sind unter der Zugehörigkeit zu Preußen zu sehen, deren Kriegen und Herrschaftsausweitungen, die zeitweilig das Land überrollten (z.B. Napoleon, etc. genauer unter Preußen )
Die Thurnhofer bereits seit 1620 an herumziehen gewöhnt und zum Teil der Ereignisse überdrüssig, nahmen diese teilweise frühzeitig zum Anlass abzuwandern.

1945 mit der Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße, gab es, wie auch in Böhmen nach 1620, keine Thurnhofer mehr in Trachenburg bzw. Schlesien. Mit dem Unterschied, dass sich der Aufenthalt in den Kirchenbüchern von Trachenberg noch gut nachweisen lässt.

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